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... in den Medien

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Jede Porträtierte wurde in drei Gefühlslagen aufgenommen, die erste ist Freude

Niedersachsen 15. Juni 2026 | Seite 9

Freude, Wut, Schmerz: Foto-Ausstellung zeigt echte Emotionen ohne Filter

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Für sein Projekt "Many Faces" hat Christoph Borek mehr als 1000 Menschen porträtiert, um zu zeigen, dass wir im Kern alle gleich sind.

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Kristina Neddermeier

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Braunschweig. Es ist eine besondere Vernissage, zu der Christoph Borek an diesem Samstag ins Quartier St. Leonhard geladen hat. Denn die anwesenden Gäste sind allesamt teil des Fotoprojekts "Many Faces", für das der Künstler über einen Zeitraum von acht Jahren menschen abgelichtet hat: Kinder, Frauen und Männer aus 60 Nationen. In Wohnungen, Hotelzimmern, Studios und privaten Räumen ist er ihnen begegnet, hat eine Atmosphäre geschaffen, in der sie loslassen und sich zeigen konnten mit Gefühlen, die uns alle verbinden: Freude. Wut. Schmerz. in ihren Gesichtern hat er die Spuren unter der Oberfläche gesucht, die persönliche Geschichten erzählen und einen Menschen unverwechselbar machen. der kern von "Many Faces" ist einfach: "Wir sind alle einzigartig. Wir sind alle gleich", sagt Christoph Borek.

 

1145 Menschen geben in der Ausstellung ihr Inneres preis. Freude, Wut, Schmerz - ein wiederkehrender Dreiklang starker Emotionen. "Wer ihnen in die Augen schaut, erkennt, wie ähnlich wir uns sind. Und genau dort beginnen Vorurteile zu bröckeln. Nähe entsteht. Grenzen verlieren an Bedeutung, Herkunft, Glaube, Status. Alles tritt zurück, wenn wir wirklich hinsehen." So heißt es im Vorwort zur Ausstellung. Klingt nach einem zu hochgegriffenen Ziel? Einer blumigen Vision? In der Ausstellung können Besuchende ihre eigene Antwort darauf finden. 

 

Beim Betrachten der Fotos fällt auf, dass Menschen, deren Porträts nebeneinander angeordnet sind, sich mitunter stark ähneln. Sie sind in ihren Emotionen verbunden. Oder anders gesagt: in ihrem Ausdruck. Christoph Borek, der sich als Laienfotograf bezeichnet, hat auch prominente Gesichter abgelichtet. Auf der Vernissage gibt es deshalb immer wieder diese "Ist-das-nicht...?-Momente. Am Ende ist das bekannte Gesicht aber eines von vielen, gleichwertig wie die anderen. Die Schwarz-weiß-Fotografien verstärken diesen Eindruck. Christoph Borek sagt: "Schwarzweiß ist für mich das nackte Bild - es zeigt das Wesentliche, Farbe ist das angezogene."

 

Die Idee des Projekts hat Manuela Rösing begeistert. Auch von ihr finden sich drei Fotos in der Ausstellung. Die Braunschweigerin sagt: "Heute wollen alle nur, dass sie schön aussehen." Das gelte besonders für Social Media, wo inszenierte und bearbeitete Fotos die Regel seien. "Glück verkauft jeder. Schmerz und Wut werden gar nicht gezeigt. Dabei tragen wir es alle in uns." Über "Many Faces" sagt sie: "Dieses Projekt zeigt authentische Momente, in denen man nicht so hübsch aussieht - ohne Filter, mit wahren Emotionen." Besonders ein Portrait in der Ausstellung habe sie sehr berührt.

 

Auch Christoph Borek hat im Entstehungsprozess der Ausstellung berührende Momente erlebt. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war das jüngste Mitglied der "Many-Faces-Familie" sechs Wochen alt, das älteste 95 Jahre. Viele, die bei Christoph Borek vor der Kamera waren, sind in zwischen verstorben. Sichtlich bewegt erinnert er sich an die Fotoshootings: "Es gab einige Menschen, die wussten, dass sie nicht mehr viel Lebenszeit haben. Sie hatten einen besonderen starken Ausdruck. Trotz ihres Wissens haben sie sehr viel Freude ausgestrahlt."

 

Mehr als 3000 Porträts finden sich in der Ausstellung. Die kleinsten Formate sind 10x10 Zentimeter groß, die größten 1,6x1,6 Meter. In dem weitläufigen Ausstellungsraum unter dem Dach des restaurierten Pferdestalls haben sie im Licht der Strahler eine intensive Ausdruckskraft. Zwischen den Fotowänden finden sich informative und inspirierende Texte zur Entstehung von Gefühle, dem Zusammenspiel  von Gehirn Emotionen oder gesellschaftlichen Zuschreibungen. Sitzgelegenheiten wie das große gelbe Cord-Sofa laden zum Innehalten oder Perspektivwechsel ein. 

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Wer sich darauf einlässt, kann die Ausstellung als Einladung zur Selbstreflexion verstehen und sich Fragen wie diesen stellen: Wie viele Versionen von mir existieren gleichzeitig? Wann habe ich zuletzt Freude gespürt? Welches Gesicht zeige ich im Alltag am Häufigsten? Zu Beginn der Vernissage sagte Christoph Borek den Gästen: "Die Bilder warten auf euch. Vielleicht findet Ihr euch in ihnen wieder" - Eine Aufforderung, die möglicherweise für alle gilt, die sich in die Porträts vertiefen. 

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Wenn Christoph Borek sich wünschen könnte, was seine Ausstellung bewirkt, wäre es folgendes: "Dass die Leute offener mit anderen Menschen umgehen, Vorurteile gekippt werden und die eigenen Masken falle." Welche Emotion sie dabei mit nach hause nehmen sollen: "Ganz klar: Freude."

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Die Ausstellung ist vom 14. Juni bis 27. September geöffnet, donnerstags bis sonntags, 12 bis 18 Uhr, oder nach Vereinbarung. St. Leonhard 2a, 38102 Braunschweig. 

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